Doppelbesteuerungsabkommen Spanien: Die wichtigsten Regeln für Deutsche mit Vermögen in Spanien

Als Experten für deutsch-spanisches Steuerrecht beschäftigen wir uns oft mit Fragen des Doppelbesteuerungsabkommens Deutschland - Spanien. Der Beitrag führt in die für Privatleute wichtigsten Regelungen ein.


Anwendbarkeit des Doppelbesteuerungsabkommens Spanien

Das deutsch-spanische Doppelbesteuerungsabkommen (nachfolgend DBA-ESt-Spanien) ist am 18. Oktober 2012 in Kraft getreten und ist ab dem 1. Januar 2013 vollumfänglich anzuwenden. Das neue DBA-Est-Spanien gilt für alle Personen, die in einem Vertragsstaat oder in beiden Vertragsstaaten ansässig sind, Art. 1 Doppelbesteuerungsabkommen Spanien. Das DBA-ESt-Spanien gilt für alle Steuern vom Einkommen und vom Vermögen, Art. 2 (1) Doppelbesteuerungsabkommen Spanien. Die spanischen Steuern, welche das DBA-Spanien regelt, sind insbesondere  

Von den deutschen Steuern sind insbesondere folgende erfasst:  

  • die Einkommensteuer,
  • die Körperschaftsteuer,
  • die Gewerbesteuer und
  • die Vermögensteuer

Vorsicht: Das Doppelbesteuerungsabkommen Spanien betrifft nicht die Erbschafts- und Schenkungsteuer. Auf diesem Gebiet gibt es weiterhin kein Doppelbesteuerungsabkommen.

Steuerlicher Wohnsitz nach dem Doppelbesteuerungsabkommen mit Spanien

Ist eine natürliche Person in Deutschland und Spanien ansässig, so gilt Folgendes:

  • Die Person gilt als nur in dem Staat ansässig, in dem sie über eine ständige Wohnstätte verfügt; verfügt sie in beiden Staaten über eine ständige Wohnstätte, so gilt sie als nur in dem Staat ansässig, zu dem sie die engeren persönlichen und wirtschaftlichen Beziehungen hat (Mittelpunkt der Lebensinteressen);
  • kann nicht bestimmt werden, in welchem Staat die Person den Mittelpunkt ihrer Lebensinteressen hat, oder verfügt sie in keinem der Staaten über eine ständige Wohnstätte, so gilt sie als nur in dem Staat ansässig, in dem sie ihren gewöhnlichen Aufenthalt hat;
  • hat die Person ihren gewöhnlichen Aufenthalt in beiden Staaten oder in keinem der Staaten, so gilt sie als nur in dem Staat ansässig, dessen Staatsangehöriger sie ist;
  • ist die Person Staatsangehöriger beider Staaten oder keines der Staaten, so regeln die zuständigen Behörden der Vertragsstaaten die Frage in gegenseitigem Einvernehmen.

Besteuerungsrecht nach dem Doppelbesteuerungsabkommen Spanien

Besteuerung von Dividenden und Zinsen nach dem DBA-ESt-Spanien

Dividenden, die eine in einem Vertragsstaat ansässige Gesellschaft an eine im anderen Vertragsstaat ansässige Person zahlt, können im anderen Staat besteuert werden, Art. 10 (1) DBA-Spanien. Dividenden unterliegen im Grundsatz einer Quellensteuer  von 15%.

Beispiel: Karsten Schmidt, ausschließlich wohnhaft in Berlin, erzielt aus Aktien in einem Depot bei einer spanischen Bank Dividendeneinkünfte. Spanien erhebt hierauf eine Quellensteuer von 15 %. In Deutschland sind die Dividendeneinkünfte ebenfalls zu versteuern. Die Doppelbesteuerung wird durch Anrechnung vermieden. 

"Dividenden" i.S.v. Art. 10 DBA-Spanien sind dabei - im Grundsatz - Einkünfte aus Aktien, Genussrechten oder Genussscheinen, Kuxen, Gründeranteilen oder anderen Rechten. Keine Dividenden sind Forderungen mit Gewinnbeteiligung und sonstige Einkünfte, die nach dem Recht des Staates, in dem die ausschüttende Gesellschaft ansässig ist, den Einkünften aus Aktien steuerlich gleichgestellt sind, sowie Einkünfte aus Ausschüttungen auf Anteilscheine an einem deutschen Investmentvermögen.

Zinsen, die aus einem Vertragsstaat stammen und deren Nutzungsberechtigter im anderen Vertragsstaat ansässig ist, können nur im anderen Vertragsstaat besteuert werden, Art. 11 Doppelbesteuerungsabkommen Spanien. Zinsen unterliegen insbesondere auch keiner Quellensteuer. 

Beispiel: Karsten Schmidt, ausschließlich wohnhaft in Berlin, erzielt aus einem Sparvertrag bei einer spanischen Bank Zinseinkünfte. Diese sind nur in Deutschland zu versteuern. Spanien erhebt keine Quellensteuer. 

"Zinsen“ bedeutet dabei Einkünfte aus Forderungen jeder Art, auch wenn die Forderungen durch Pfandrechte an Grundstücken gesichert oder mit einer Beteiligung am Gewinn des Schuldners ausgestattet sind, und insbesondere Einkünfte aus öffentlichen Anleihen und aus Obligationen einschließlich der damit verbundenen Aufgelder und der Gewinne aus Losanleihen.

Einkünfte aus unbeweglichem Vermögen in Spanien, insbesondere Vermietung von Ferienimmobilien in Spanien

Einkünfte, die eine in einem Vertragsstaat ansässige Person aus unbeweglichem Vermögen (einschließlich der Einkünfte aus land- und forstwirtschaftlichen Betrieben) bezieht, das im anderen Vertragsstaat liegt, können im anderen Staat besteuert werden, Art. 6 Abs. 1 Doppelbesteuerungsabkommen-Spanien. Die Doppelbesteuerung wird im Fall eines Wohnsitzes in Deutschland durch Anrechnung vermieden, Art. 22 Abs. 2 Buchst. b Nr. vii DBA-Spanien. 

Beispiel: Karsten Schmidt, dauerhaft wohnhaft in Deutschland, ist Eigentümer einer Ferienwohnung auf Mallorca. Diese vermietet er in der meisten Zeit an Freunde und Bekannte. Die Mieteinkünfte sind in Spanien und Deutschland zu versteuern. Die Doppelbesteuerung wird durch Anrechnung der spanischen Steuer auf die deutsche Steuer vermieden. 

Hinweis: Etwas anderes kann gelten, wenn die Immobilie zu einer in Spanien gelegenen Betriebsstätte i. S. v. Art. 5 DBA-Spanien gehört. 

Besteuerung der Gewinne aus der Veräußerung von Spanien-Immobilien nach dem DBA-ESt-Spanien

Gewinne, die eine in einem Vertragsstaat ansässige Person aus der Veräußerung unbeweglichen Vermögens erzielt, das im anderen Vertragsstaat liegt, können im anderen Staat besteuert werden, Artikel 13 (1) DBA-Spanien.

Beispiel: Karsten Schmidt, dauerhaft wohnhaft in Deutschland, veräußert seine Ferienimmobilie auf Mallorca, welche er 2005 für EUR 400.000,-- erworben hat im Jahr 2013 für EUR 600.000,--. Der Veräußerungsgewinn ist in Spanien zu versteuern und in Deutschland.

Gewinne aus Veräußerung von Anteilen an einer deutschen Kapitalgesellschaft mit Vermögen in Spanien

Gewinne, die eine in einem Vertragsstaat ansässige Person aus der Veräußerung von Anteilen an einer Gesellschaft – oder vergleichbarer Beteiligungen – erzielt, deren Aktivvermögen zu mindestens 50 vom Hundert unmittelbar oder mittelbar aus unbeweglichem Vermögen besteht, das im anderen Vertragsstaat liegt, im anderen Staat besteuert werden, Artikel 13 (2) DBA-Spanien.

Beispiel: Karsten Schmidt hat die Immobilie auf Mallorca mittels einer deutschen GmbH, welche in seinem Alleineigentum ist, erworben. Er ist alleiniger Gesellschafter und die Immobilie ist im Wesentlichen das gesamte Vermögen der Gesellschaft. Veräußert Karsten Schmidt Anteile der Gesellschaft, kann Spanien diesen Vorgang ebenfalls besteuern. Die in Spanien gezahlte Steuer kann auf die (regelmäßig höhere) deutsche Steuer angerechnet werden.

Entsprechendes gilt hinsichtlich der Vermögensteuer, Art. 21  DBA-Spanien.

Renten und Ruhegehälter von Deutschen in Spanien

Ruhegehälter, Renten und ähnliche Vergütungen aus Deutschland, können nur in Spanien versteuert werden, vgl. Artikel 17 (1) DBA-Spanien.

Beispiel: Karsten Schmidt, ständiger Wohnsitz auf Mallorca, erhält eine monatliche Betriebsrente von EUR 2.500,-- von der Firma SI in München. Die Einkünfte aus der Betriebsrente sind ausschließlich in Spanien steuerbar. 

Vergütungen, die auf Grund des Sozialversicherungsrechts geleistet werden (z.B. gesetzliche Rente), können bei Eintritt in den Ruhestand nach dem 31. Dezember 2014 auch in Deutschland versteuert werden. Die Steuer darf aber 5 vom Hundert des Bruttobetrags der Vergütungen nicht übersteigen, Art. 17 (2) DBA-Spanien. 

Öffentlichen Dienst 

Gehälter, Löhne und ähnliche Vergütungen, die von der Bundesrepublik Deutschland, einem Bundesland, Stadt/Gemeinde/Kreis oder anderen juristischen Person des öffentlichen Rechts gezahlt werden (z.B. Pension), können nur in Deutschland besteuert werden, Art.  18 DBA-Spanien.

 


José Martínez Salinas
Beatriz Pila Martín
Letzte Aktualisierung: 20.12.2013


Diesen Artikel bewerten
 
 
 
 
 
 
 
0 Bewertungen (0 %)
Bewerten
 
 
 
 
 
 
1
5
0
 

Sie haben Fragen zu diesem Beitrag oder der Beauftragung der Kanzlei?

Wir helfen Ihnen gerne. Um die Kontaktaufnahme für Sie und uns so einfach und effizient wie möglich zu gestalten, bitten wir Sie für Ihre Fragen vorrangig unser Kontaktformular zu benutzen. Nach Absendung Ihrer Anfrage wird Sie ein Rechtsanwalt der Kanzlei, der sich mit dem Themengebiet auskennt, schnellst möglich - in der Regel binnen 24 Stunden - kontaktieren und - soweit erforderlich - weitere Fragen stellen oder ein Angebot für eine Beratung unterbreiten. Selbstverständlich ist Ihre Anfrage per Kontaktformular nicht mit Verpflichtungen für Sie oder uns verbunden und wir unterbreiten Ihnen nach Sichtung Ihrer Anfrage ggf. einen Vorschlag für eine Vergütung.

Natürlich können Sie uns auch anrufen. Ansprechpartner finden Sie unter Rechtsanwälte. Selbstverständlich werden Sie auch bei Anruf versuchen vorab über eine etwaig anfallende Vergütung zu informieren. 

Formular
captcha
Sie haben die Möglichkeit Anlagen (Texte, Dokumente) an Ihre Nachricht anzufügen (max. 5 MB).